Einführung: The Work von Byron Katie – verbunden mit einem Beispiel über Hausaufgaben

 

Hast du dich schon gefragt, was das eigentlich ist, worüber ich hier ständig schreibe? „The Work von Byron Katie?“ Und was hat das eigentlich mit den Hausaufgaben der Kinder zu tun? Genau darum geht es hier heute.

The Work in einem Satz erklärt: Es ist eine Methode, mit der stressige Gedanken und Glaubenssätze hinterfragt und losgelassen werden können und zwar mithilfe von vier Fragen, Umkehrungen und Beispielen zu den Umkehrungen. Klingt einfach, oder? Ist es auch! Und obwohl ich damit jetzt schon aufhören könnte, möchte ich dich noch ein wenig tiefer mit hinein nehmen. Und ich möchte dir noch ein bisschen mehr erzählen.

Für mich fängt die Work schon vor den vier Fragen an. Nämlich damit, den stressigen Gedanken oder den Glaubenssatz zu identifizieren. Und das ist manchmal gar nicht so leicht. Dafür kann es helfen, sogenannte Listen zu schreiben. Zum Beispiel wenn ich jetzt gerade gestresst bin. Ich kann mich erstmal fragen, was genau mich eigentlich gerade stresst. Das könnte z.B. sein, dass ich glaube, dass ich mit meinem Kind Hausaufgaben machen muss – und mein Kind aber keine Lust dazu hat. Das wären schon zwei Dinge, die ich hinterfragen könnte:

  1. Ich muss mit meinem Kind Hausaufgaben machen.
  2. Mein Kind sollte Lust haben, seine Hausaufgaben zu machen. 😉

Ich könnte aber auch noch weiter erforschen und schauen, was befürchte ich denn, was passiert, wenn mein Kind seine Hausaufgaben morgen nicht gemacht hat und ohne in die Schule geht? Da fallen dir sicher eine Menge Dinge ein. Die schreibst du am besten alle auf. Und auch die kannst du alle hinterfragen. Alle? Ja! Alle. Aber fange erstmal mit einem an. Such dir für deine erste Work vielleicht einen Satz aus, der dich stresst, aber nicht in Stein gemeißelt zu sein scheint. Du kannst es aber auch so machen wie ich und direkt einen Satz nehmen, bei dem du richtig großen Widerstand spürst und den worken. Und dich einfach mal überraschen lassen und schauen was passiert.

Jetzt hast du dich also für einen Satz entschieden. Was nun? Jetzt kannst du anfangen mit deiner Work. Nimm dir was zu schreiben, das hilft den meisten Menschen, sich besser zu fokussieren und die Gedanken auch wirklich zu Ende zu denken und sie außerdem in einer Geschwindigkeit zu denken, in der der Verstand noch ausreichend mitkommt.

Schreibe dir deinen Satz einfach auf. Und gerne auch ein paar Stichworte dazu, in welcher Situation du gerade bist, wenn du den Gedanken hast. Stehst du? Sitzt du? Ist jemand bei dir? Was ist kurz davor passiert? Je konkreter du dabei bist, desto besser.

Und dann fange an mit der ersten Frage.

  1. Frage: Ist das wahr?

Lasse dir mit der Antwort Zeit, spüre was sich für dich richtig anfühlt und schreibe deine Antwort dann auf. Diese sollte nur „Ja“ oder „Nein“ lauten. Absolut bewertungsfrei.

Und dann machst du mit der zweiten Frage weiter.

  1. Frage: Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?

Lasse dir auch hier mit der Antwort Zeit, gerne noch etwas mehr. Spüre was sich für dich richtig anfühlt und schreibe deine Antwort dann auf. Diese sollte wieder nur „Ja“ oder „Nein“ lauten. Und auch hier gilt: absolut bewertungsfrei.

Jetzt bist du schon bei Frage 3 und für die kannst du dir richtig viel Zeit lassen und einfach alles aufschreiben, was sich dir jetzt zeigt. Alles.

  1. Frage: Wie reagierst du, wenn du diesen Gedanken glaubst?

Wenn du das Gefühl hast, deine Antwort ist ausreichend ausgeschöpft, kannst du dich mal kurz abschütteln und dir vorstellen, der Gedanke ist für einen Moment nicht mehr da. Einfach kurz vergessen. Die Situation ist aber noch die genau die gleiche.

  1. Frage: Wer wärst du ohne den Gedanken?

Wenn du das erste Mal workst, kann es für dich hilfreich sein, dich dazu noch zu fragen: Was genau würdest du dann anders machen? Und dann lass dich mal überraschen, welche Antworten auftauchen. Ganz leicht. Ohne Anstrengung.

Und jetzt kehrst du den Gedanken um. Häufig (nicht immer), gibt es drei mögliche Umkehrungen:

  • Ins Gegenteil
  • Zu dir selbst
  • Von dir zum anderen.

 

Beispiel-Work: Mein Kind sollte Lust haben, seine Hausaufgaben zu machen.

Um dir das zu verdeutlichen, nehme ich mal das Beispiel von oben. Ich konzentriere mich dabei dieses Mal bewusst auf die Umkehrungen und deute die Beantwortung der Fragen nur an, um den Artikel nicht noch länger zu machen. Wie ausführlich ich die Fragen normalerweise beantworte, kannst du anhand meiner bisherigen Artikel mit Work-Beispielen sehen. Hier also mein Work-Beispiel:

Mein Kind sollte Lust haben, seine Hausaufgaben zu machen.

1. Ist das wahr? – Ja!

2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? – Nein.

3. Wie reagierst du und was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst? – Dann bin ich total genervt. Ich bin gestresst. Ich motze mein Kind an. Ich motze meinen Mann an – soll er sich doch mal um den Mist kümmern. Ich habe einen Groll gegen die Schule und die Lehrer. Ich erwarte von meinem Kind, dass es das endlich erledigt, damit ich mich nicht damit rumschlagen muss. Hausaufgaben muss man halt machen.

4. Wer wärst du ohne den Gedanken?

Total entspannt. Mein Fokus ändert sich sofort. Dann kann ich mich wieder auf meine eigenen Aufgaben konzentrieren. Ist ja schließlich gar nicht meine Angelegenheit. Ich merke direkt, wie sich mein System beruhigt.

Umkehrungen:

  • Ins Gegenteil: Mein Kind sollte keine Lust haben, seine Hausaufgaben zu machen.
  • Zu dir selbst: Ich sollte Lust haben, meine Hausaufgaben zu machen.
  • Von dir zum anderen: Ich sollte Lust haben, seine Hausaufgaben zu machen.

Und jetzt schaust du, ob du für jede Umkehrung drei Beispiele findest, die für dich stimmig, echt und möglichst konkret sind.

Das kann am Anfang noch etwas ungewohnt sein. Schließlich hast du ja bis eben noch den Ursprungssatz geglaubt oder glaubst ihn vielleicht auch noch. In diesem Fall kann es hilfreich sein, sich noch mehr Zeit zu geben und tiefer in sich rein zu spüren, ob es da nicht doch ein winzig-kleines Beispiel gibt.

Um dir ein paar Impulse zu geben, wie das aussehen könnte, habe ich anhand dem Beispiel von oben für mich einige Beispiele gefunden. Für mich könnte das so aussehen:

  • Ins Gegenteil: Mein Kind sollte keine Lust haben, seine Hausaufgaben zu machen.
  1. Weil ich ja auch gar keine Lust habe. Wer hat schon Lust Hausaufgaben zu machen?? Und mein Kind hat offensichtlich jetzt keine Lust. Es ist, wie es ist. Da bringt kein Zerren, kein drohen und kein gar nichts. Höchstens ein „es geht auch ohne (Lust)“. Und dann begleite ich die Gefühle meines Kindes und bin emphatisch mit seiner Unlust.
  2. Damit ich Verständnis für mein Kind aufbringe. Es hat vielleicht einen harten Tag gehabt. Vielleicht braucht es (zuerst mal) eine Pause? Vielleicht muss erst ein Bedürfnis gesehen und erfüllt werden?
  3. Damit ich mich in Empathie mit meinem Kind verbinde. Ich habe es früher so sehr gehasst Hausaufgaben zu machen. Warum sind die eigentlich nicht schon längst mal abgeschafft worden? Und mal ehrlich, ich habe die auch ziemlich häufig gar nicht gemacht.. und ich habe trotzdem studiert. (Das habe ich jetzt nicht laut gesagt. 😉)
  4. Und ich könnte die Unlust meines Kindes ja auch nutzen, um meine Ängste anzuschauen. Was befürchte ich denn, was passiert, wenn mein Kind die Hausaufgaben nicht macht? Und dann könnte ich das worken – also wenn ich Lust habe.. 😉

 

  • Zu dir selbst: Ich sollte Lust haben, meine Hausaufgaben zu machen.
  1. Wandeln wir mal Hausaufgaben in Hausarbeit um.. Naaaa? 😉 Ich hab sowas von keine Lust meine Hausarbeit zu machen. So wenig, da schieb ich sogar lieber die Hausaufgaben meines Kindes vor, damit ich hinterher sagen kann „ich hatte keine Zeit“. 😉
  2. Wenn es als Teil meiner „Hausaufgaben“ angesehen wird, die strenge Mama zu spielen, damit mein Kind seine Hausaufgaben macht, dann habe ich da auch keine Lust drauf. Ist ja sowieso gar nicht meine Angelegenheit, sondern maximal die der Lehrer und in allererster Linie, die meines Kindes. Und es gibt ganz bestimmt Menschen, die jetzt sagen, „Ich sollte das aber…“.
  3. Ich sehe es allerdings sehr wohl als meine „Hausaufgabe“ an, auf die Bedürfnisse meines Kindes zu schauen. Was ist da los? Warum mag er/sie keine Hausaufgaben machen? Welches unerfüllte Bedürfnis gibt es gerade? Welche Lösung kann ich finden? Wenn ich einfach nur stur darauf bestehe, dass mein Kind seine Hausaufgaben macht, dann habe ich keine Lust, diesen Teil meiner eigentlichen Hausaufgaben zu erledigen.
  4. Und ich habe noch ein Beispiel aus dem systemischen Ansatz. Mal angenommen, dieser Konflikt ist ein Symptom, der dafür sorgen will, dass ich in der Schule des Lebens meine Hausaufgaben mache und etwas lerne. Was könnte das sein? Und sollte ich dann nicht Lust haben das zu lernen und den Konflikt als etwas positives bewerten? 😉

 

  • Von dir zum anderen: Ich sollte Lust haben, seine Hausaufgaben zu machen.
  1. Wenn ich es als meine Hausaufgabe ansehe, mein Kind darin zu unterstützen die Hausaufgaben zu machen, dann kann ich ja mal schauen, wie ich mein Kind motivieren könnte. Und in erster Linie könnte ich dann mal überprüfen, wieviel Lust ich gerade eigentlich habe und ob ich da mit gutem Vorbild voran gehe. Wenn ich nämlich selbst keine Lust dazu habe und die Hausaufgaben als mega lästig ansehe, wie soll mein Kind dann erst Lust dazu bekommen?
  2. Ich kann also mal schauen: Wie kann ich mir mehr Lust machen, um mein Kind besser bei seinen Hausaufgaben zu unterstützen? Vielleicht besteche ich mich selbst mit einer anschließenden Belohnung? Oder auch mal schon vorab und wir gehen erstmal zusammen ins Schwimmbad, essen ein riesengroßes Eis und haben eine tolle Zeit zusammen?
  3. Und wem das jetzt alles noch nicht unkonventionell genug war: Ich bin ja diejenige, der es in dem Moment wichtig ist, dass die Hausaufgaben erledigt sind. Meinem Kind ist das offensichtlich total egal. Na wenn es mir so wichtig ist, dann sollte ich die Hausaufgaben vielleicht einfach selbst machen? 😉 Und vielleicht überprüfe ich an dieser Stelle dann doch mal, warum mir das eigentlich so wichtig ist. Was ich da befürchte, was passiert, wenn mein Kind seine Hausaufgaben nicht macht. Und ob das wirklich alles wahr ist? 😉

Wie ist es dir mit diesen Beispielen ergangen? Hast du sie für dich auch finden können? Oder hast du gedacht, die Nicole – die spinnt ja total? 😉

Wie du vielleicht gemerkt hast, machen mir meine Works ziemlich viel Spaß und gerade wenn ich am Anfang super gestresst starte, ist es am Ende so herrlich entspannt. Und am besten probierst du einfach mal aus, wie es für dich ist.

PS: Das war eine rein fiktive Work, inspiriert von meiner Fantasie und einer Work, die ich vor vielen Monaten mal mit einer Kundin hatte. Meine eigenen Kinder haben zum Glück noch keine Hausaufgaben auf. 😉 Nichtsdestrotz habe ich versucht mich bestmöglich an die Mama zu erinnern und mich in sie hineinzufühlen und einfach mal so getan, als wäre ich sie.

 

Wenn du jetzt gerne noch mehr von mir über The Work hören willst, dann empfehle ich dir meinen Podcast „Wunder mit The Work“. Verfügbar auf allen gängigen Podcast Kanälen. In Folge 2 spreche ich über einige Informationen über The Work, die ich so gesammelt habe.

Du kannst auch meine Podcast Folge 3 (kurze Version) oder 4 (lange Version) dafür nutzen, dich durch deine Work begleiten zu lassen. Und du kannst dir unter https://thework.com/sites/de/ alle Informationen zu The Work auf Deutsch (und sehr vielen anderen Sprachen) herunterladen, die du brauchst, um einfach direkt und genau jetzt mit The Work loszulegen. Du brauchst dafür kein Buch, keine Ausbildung – fange einfach an. 😊

Du kannst dir aber natürlich auch erstmal in Ruhe ein Buch dazu durchlesen. Wenn du Lust dazu hast. 😉 Ich kann dir alle Bücher von Byron Katie empfehlen und zum Einsteigen besonders die Bücher von Ina Rudolph („Ich will ja loslassen, aber woran halte ich mich dann fest“ und „Ich will mich ja selbst lieben, aber muss ich mich dafür ändern“). Und wenn du gerade mitten in einer Beziehungskrise steckst und das mit The Work gerne ändern magst, dir aber gerade kein Coaching leisten kannst oder möchtest, kann ich dir von Herzen das Buch von Ralf Giesen empfehlen („Beziehungsprobleme gibt es nicht“).

Wenn du Lust hast, dich durch deine Work von mir begleiten und dich von meinen Impulsen inspirieren zu lassen, freue ich mich total, wenn du bei mir ein Coaching für dich buchst und ich dich bei deiner Work unterstützen darf.

So oder so: ich wünsche dir von ganzen Herzen wundervolle Works und wundervolle neue und überraschende Erkenntnisse.

Herzensgrüße
Deine Nicole

P.S.: Wenn du Lust hast, dich mit anderen Familien darüber auszutauschen, dann komme in meine Facebook Gruppe: https://www.facebook.com/groups/HochsensibleFamilien/

Bild von Patrice Audet auf Pixabay 

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